Digitale Transformation in Unternehmen – Einschätzungen zu den Auswirkungen der Coronakrise

Veröffentlicht am 15.4.2020 von Christian Botta und Ines Bahr

Digitale Transformation in Unternehmen – Einschätzungen zu den Auswirkungen der Coronakrise von unserem Experten

Puff – da war sie da! Die Corona-Krise. Von heute auf morgen müssen deutsche Unternehmen Homeoffice einführen und digital arbeiten. Aber geht das mit der digitalen Transformation in Unternehmen so einfach auf Knopfdruck? In diesem Blogartikel wird Christian Botta seine Einschätzungen und Beobachtungen teilen, wie Unternehmen mit Unsicherheit umgehen und warum sich der Umgang mit Digitalisierung vermutlich ändern wird.

Digitale Transformation in Unternehmen - Einschätzungen zu den Auswirkungen der Coronakrise

Digitale Transformation in Unternehmen

Deutschland als Digitalisierungswüste

Deutschland ist sicherlich kein Vorreiter, wenn es um das Thema Digitalisierung geht. Sicherlich habt ihr auch schon verzweifelt versucht, in der Bahn ein stabiles Internet zu ergattern oder auf dem Land mit eurem Handy in der Luft gewedelt in der Hoffnung, dass ein Edge-Zeichen auf dem Display erscheinen möge. Vielleicht hat sich euer Unternehmen bisher erfolgreich gegen das Thema Homeoffice gewehrt, weil euer Chef der festen Überzeugung war, dass zu Hause weniger geleistet wird und ihr nur länger ausschlafen wollt.

Da passen die Ergebnisse einer Studie des Digitalverbandes nur allzu gut ins Bild. Die mittelständischen deutschen Unternehmen gaben sich selbst bei der Bewertung des Digitalisierungsgrades die Note „ausreichend“. Rund 20 % der Betriebe haben sich mit dem Thema Digitalisierung noch gar nicht beschäftigt und nur 25 % der Unternehmen haben Budgets für die Digitalisierung eingeplant.

Und auch das Thema Homeoffice wurde bisher nicht wirklich von deutschen Unternehmen gepusht. Dies ist auch einer Studie von der Jungprofessorin Susanne Steffens zu entnehmen, über die sie im NDR unlängst sprach. Laut ihrer Aussage setzen rund 30 % der deutschen Unternehmen Homeoffice in geringem Maße ein. Vergleicht man nun noch den Fakt, dass für rund 45 Millionen Erwerbstätige in Deutschland etwa 37 Millionen Arbeitsplatzrechner zur Verfügung stehen, sieht man relativ schnell, wie viel mehr theoretisch möglich wäre.

Faktor Technologie

Mit dem Beginn der Krise musste es bei vielen Unternehmen ganz schnell gehen. Digitalisierung, digitale Prozesse, Virtualisierung, Homeoffice, VPN, Cloud-Lösungen, Online-Trainings- und Videokonferenzen und weitere Buzzword-Technologien mussten in Windeseile etabliert werden. Technologien und Dienste, die es mittlerweile seit bald 20 Jahren gibt.

  • Bereits im Jahre 2006 machte ich erste Webinare und diskutierte mit meinen Studenten über Skype. Aber heute werden diese Software-Tools gefeiert, als wären Sie der heilige Kral. Nein, diese Technologien gibt es schon lange (übrigens auch im Bereich der Bildung) – man hätte nur rechtzeitig den Umgang und den Einsatz mit diesen Tools lernen müssen.

Wenn sie einen Scheißprozess digitalisieren, dann haben sie einen scheiß digitalen Prozess!  –  Thorsten Dirks, CEO der Telefónica Deutschland AG

 

  • Gerade im Mittelstand und bei kleineren Unternehmen wurde in der Vergangenheit wenig Fokus auf die Themen Automatisierung und IT als Treiber eines erfolgreichen Geschäftsmodells gelegt. Veraltete Betriebssysteme auf veralteten Arbeitsplatzrechnern, wenig bis keine mobilen Endgeräte oder Laptops sind oft Standard. Die interne IT wird als reine interne Kostenstelle betrachtet, um die marode Infrastruktur am Laufen zu halten. Im Rahmen der Digitalisierung wird und muss IT aber mehr sein; nämlich ein Business-Treiber. Um dies sein zu können, müssen sich die Unternehmen spätestens jetzt mit den Basics beschäftigen. Zu diesen Basics gehören neben einer adäquaten Infrastruktur für die Mitarbeiter, sichere Lösungen für Remote-Arbeit, das Optimieren und Digitalisieren von Geschäftsprozessen und die Befähigung der Mitarbeiter diese Lösungen auch im angedachten Sinne nutzen zu können.
  • Cloud versus Datenschutz ist ein weiteres virulentes Thema in diesem Kontext. Meine Beobachtung ist, dass es bei dieser Diskussion häufig gar nicht mehr um die Sache selbst, nämlich einer sinnstiftenden Lösung für ein Problem geht, sondern um das Verharren in Positionen; und das führt nur zu einem – Stillstand. Wir müssen wieder lernen, Argumente auf einer sachlichen Ebene auszutauschen, um möglichst optimale Ergebnisse im Sinne der Firma zu entwickeln. Ein wunderbares Beispiel hierfür ist die aktuelle Krise, auch führen Vertreter von Politik, Wirtschaft, Ethik und Gesundheit einen lebhaften Diskurs, um möglichst gute Entscheidungen für die Allgemeinheit zu treffen.

Faktor Mensch

Wenn es um das Thema Digitalisierung und vernetztes Arbeiten geht, reicht es aber nicht, nur den Faktor Technik ins Visier zu nehmen. Auch die Themen Führung und Kommunikation spielen eine entscheidende Rolle beim erfolgreichen Weg durch die Krise. Zweifelsohne herrscht in deutschen Betrieben eine Präsenzkultur. Viele Chefs möchten ihre Mitarbeiter vor Ort sehen und dadurch sicherstellen, dass sie die Lage im Griff haben. Ferner können sie so sicherstellen, dass sie schnell jederzeit auf sie zugreifen können und zielgerecht steuern können. Im Homeoffice ist dies anders.

Vorgesetzte müssen in dieser Zeit lernen zu vertrauen. Ein reiner Command-and-Control-Führungsansatz wird in Corona-Zeiten nicht mehr funktionieren. Auch müssen sie lernen, anders zu kommunizieren – zielgerichteter, klarer und öfter. Mal schnell etwas über den Tisch anweisen geht nicht mehr, aber genau dies birgt auch Chancen. Eigenverantwortung und die in „New Work“-Konzepten oft angepriesene Selbstorganisation seien hier nur exemplarisch genannt. Auch Themen wie Agilität und Flexibilität werden zur Normalität. Themen, über die in der Vergangenheit stundenlang diskutiert wurden, werden heute, in der Krise, einfach gemacht. Scheinargumente, wie „das haben wir schon immer so gemacht“ funktionieren nicht mehr und ausprobieren und lernen werden zu den wichtigsten Begleitern in der Pandemie.

Mutmacher

Wenn ich sehe, dass eine junge Badsanierungsfirma, von heute auf Morgen auf Homeoffice umstellt und ihre Mitarbeiter am nächsten Tag von zu Hause aus voll arbeitsfähig sind, macht dies Mut. Die Mitarbeiter, die noch keinen Laptop hatten, wurden mit Notebooks ausgestattet, Peripherie-Geräte, wie Kopfhörer wurden mit dazu gegeben und alle software-technischen Voraussetzungen wurden bereits im Vorfeld erprobt und in einzelnen Fällen (im Homeoffice) angewandt. VPN-Zugänge, Trello als Aufgabenboard, Microsoft-Teams zur internen Kommunikation, IP-Telefonie, eigengestrickte Software kombiniert mit diversen Lösungen aus der Cloud stellen die Basis für das erfolgreiche mobile Arbeiten dieser Firma.

Es muss übrigens nicht immer gleich die umfangreiche digitale Lösung sein, die Unternehmen in der aktuellen Situation helfen können. Betrachten wir zum Beispiel die kleine temporäre Digitalisierungslösung einer kleinen Bäckerei am Bodensee. Während der Krise bietet die Bäckerei ihren Kunden die Möglichkeit bis 22:00 Uhr Backwaren online zu bestellen. Die Bezahlung erfolgt via PayPal oder Kreditkarte. Am nächsten Morgen werden die frischen Backwaren dann bis 09:00 Uhr an die Haustüre gebracht und geklingelt.

Und wenn euer Unternehmen noch nicht so weit ist, gibt es auch keinen Grund den Kopf in den Sand zu stecken. Mittlerweile gibt es unzählige Möglichkeiten, wie ihr euch auch zu Corona-Zeiten digital weiterentwickeln könnt. Nachfolgend findet ihr ein paar Tipps, die euch vielleicht dabei helfen:

  1. Probiert Dinge aus. Egal ob Videokonferenz-Software oder Cloud-Lösungen, die meisten dieser Lösungen sind – zumindest in abgespeckter Version oder für einen bestimmten Zeitraum – kostenfrei. Nutzt diese Möglichkeiten und lernt mit eurem Team gemeinsam.
  2. Apropos lernen. Hört Podcast, schaut Euch Lernvideos auf Youtube oder LinkedIN-Learning an oder lest digitale Bücher und Blogs, wie diesen. Das Angebot ist unglaublich reichhaltig, also macht euch schlau.
  3. Diskutiert mit Experten. Stellt Fragen in sozialen Medien, wie Twitter oder LinkedIn, besucht Webinare, knüpft Kontakte und holt euch bei Bedarf Hilfe.
  4. Seid risikobewusst. Nicht jeder Berater ist ein guter Berater und nicht jedes digitale Tool ist gut für dein Business. Denke an Themen wie Datenschutz, sensible und personenbezogene Daten und wähle mit Bedacht. Aktionismus bringt nichts.

Die Krise zwingt uns also zum Lernen und Umdenken. Ob das nach der Krise wieder ganz schnell umgedreht wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Es bleibt allerdings die Hoffnung, dass die Digitalisierung nicht nur als Jobkiller und Mittel zur Effizienzsteigerung in vielen Unternehmen gesehen wird, sondern auch als Chance flexibler zusammenzuarbeiten, einander mehr zu vertrauen und vielleicht auch die nächste Geschäftsreise online zu unternehmen.

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Über den Autor:

Christian Botta ist seit 2000 als Projektmanager und Berater für IT-Projekte tätig. Neben Zertifizierungen im traditionellen Projektmanagement (PMP®) verfügt er auch über Zertifizierungen im agilen Umfeld als Scrum Master und Product Owner. Seit 2015 ist Christian Botta Mitinhaber von Visual Braindump, mit dem Ziel, die Themen Visualisierung und Projekte näher zusammenzubringen. Darüber hinaus arbeitet er als Dozent, Trainer und Coach mit der Mission, Projekte anschaulich und erfolgreich zu gestalten.


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