Wasserfall vs agil: Welche Projektmanagement-Methode sollten kleine Unternehmen wählen?

Veröffentlicht am 26.4.2019 von Ankita Singh und Ines Bahr

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Frau zeigt agile Methoden an einem Bord

Was ist besser: traditionelles Wasserfall-Projektmanagement oder agile Methoden?

Die Debatte „Wasserfall vs agil“ ist alles andere als neu. Auch wenn „agil“ heute zum Buzzword geworden ist, müssen agile Vorgehensweisen nicht für jedes Projekt zwangsläufig das Richtige sein. Tatsächlich gibt es Projekte, deren Ergebnisse mit einer herkömmlichen Wasserfallstruktur sogar besser werden könnten.

Die richtige Frage lautet also: „Welche Methode sollte man für welches Projekt einsetzen?“, aber die Antwort ist gar nicht so einfach.

Einem PMI-Report zufolge werden in etwa 44 Prozent der Projekte lineare Ansätze verfolgt (wie das herkömmliche Wasserfall-Projektmanagement), in 30 Prozent agile Methoden und in 23 Prozent hybride Ansätze. Insgesamt lassen sich also mit beiden Methoden – und manchmal auch einer Kombination aus beidem – erfolgreich Projekte abschließen.

Projektmanager*innen stehen vor der Aufgabe, herauszufinden, welche Projekte agil und welche traditionell gemanagt werden sollten, um die optimale Performance zu erbringen. Wer die falsche Projektmanagementmethode nutzt, verschwendet eine Menge Geld, nämlich ungefähr 9,9 % von jedem investierten Dollar.

In diesem Artikel möchten wir zwei beliebte Projektmanagementmethoden einander gegenüberstellen: Wasserfall vs agil. Wir geben Einblick in ihre jeweiligen Funktionsweisen und zeigen Beispiele für Projektmanagement-Software, die für die jeweilige Methode geeignet ist. Auf dieser Grundlage lässt sich entscheiden, welche Methode in welchem Fall besser passt.

Wasserfall-Methode: Für kleinere, kurzzeitige Projekte

Wasserfalldiagramme bilden einen linearen Projektmanagement-Ansatz ab, bei dem das Projekt in einzelne, aufeinander folgende Phasen aufgeteilt wird, die der Reihe nach abgearbeitet werden. Erst das finale Produkt wird dem Kunden übermittelt.

Wasserfall-Methoden bieten sich an, wenn ein Projekt einen großen Design- oder Analyseaufwand erfordert und Änderungen während des Prozesses tiefgreifende Folgen haben. Für Projekte, an denen verschiedene Teams unabhängig voneinander arbeiten wollen und sollen, sind sie gut geeignet. So lässt sich sicherstellen, dass sie nicht aufeinander Rücksicht nehmen müssen.

Hauptmerkmale des Wasserfall-Projektmanagements

Die Arbeitsabläufe bauen aufeinander auf und es erfolgt eine einmalige, finale Lieferung: Das Gesamtprojekt wird in mehrere kleinere, aufeinanderfolgende Aufgaben heruntergebrochen. Die Aufgaben werden einzelnen Teammitgliedern zugewiesen und mit erwarteten Lieferterminen versehen. Sobald alle Aufgaben abgeschlossen wurden, geht das Endprodukt an den Kunden.

Die Anforderungen sind von Anfang an klar festgelegt: Die Stakeholder sind sich von Anfang bis Ende der Erwartungen des Kunden bewusst. Die Teammitglieder kennen die Erwartungen an Entwicklung und Design, bevor sie damit beginnen. So können Projektmanager*innen unkompliziert von Anfang an Ressourcen, Zeit und Budget planen.

Kontinuierliche Änderungen im Projektlebenszyklus sind nicht vorgesehen: In Wasserfallprojekten wird der Code auf Fehler getestet, sobald das Endprodukt zur Veröffentlichung bereit ist. Der Vorteil: Im Gegensatz zu agilen Ansätzen, bei denen Design und Entwicklung einander ergänzen und häufig ein Redesign erforderlich ist, steigen die Kosten nicht unkontrolliert an. Wenn hier etwas neu gemacht werden muss, weist das darauf hin, dass die Kundenanforderungen falsch verstanden wurden. Dadurch sinkt auch der Umfang der Änderungen während des Projektlebenszyklus.

Kunden sind nach der Anfangsphase wenig beteiligt: Die Stakeholder erfassen die Kundenanforderungen und erstellen zu Beginn eine Produkt-Roadmap. Nach dieser Phase sind Kunden nicht mehr am Projekt beteiligt, bis ihnen das fertige Endprodukt geliefert wird.

Die Dokumentation ist umfangreich und ausführlich: Per Wasserfalldiagramm geplante Projekte erfordern in jeder Phase eine detailgenaue Planung und Dokumentation. So wird das Risiko durch Mitarbeiterfluktuation verringert. Zu jedem Zeitpunkt könnte mitten im Projekt ein neuer Projektmanager oder eine neue Entwicklerin einsteigen, ohne dass es die Arbeitsabläufe durcheinanderbringt. Die umfangreiche Dokumentation macht es Projektmanager*innen außerdem möglich, den Prozess mit nur geringen oder gar keinen Änderungen zu wiederholen.

Wer sollte das Wasserfall-Projektmanagement nutzen?

IT-Projektmanager*innen in kleinen Unternehmen sollten diese Methode für das Management eher kleiner, kürzerer und unkomplizierter Projekte in Betracht ziehen.

Auch für Remote-Teams, die sich von Anfang an über die Projektanforderungen im Klaren sind und deren Projekte im Verlauf wenig Raum für Veränderungen haben, funktioniert sie gut. Remote-Mitarbeiter*innen können so einfacher einbezogen und die rechtzeitige Fertigstellung der einzelnen Aufgaben überwacht werden.

Wasserfall-Methoden eignen sich gut für Projekte mit strengen Anforderungen und Standards, beispielsweise in der stark regulierten Luftfahrtbranche, im Gesundheitswesen oder im Bauwesen.

Welche Projektmanagement-Tools sind für Wasserfall-Methoden geeignet?

Gantt Diagramm in Projectmanager.com

Gantt-Diagramm in ProjectManager.com (Quelle)

ProjectManager.com ist ein cloudbasiertes Projektmanagement-Tool, das sich wunderbar für Wasserfallprojekte eignet. Projektmanager*innen können den Projektlebenszyklus mithilfe von Gantt-Diagrammen visualisieren.

Außerdem lassen sich Aufgaben erstellen und Teammitgliedern zuweisen. Teams können Abhängigkeiten zwischen einzelnen Aufgaben überblicken und die Gesamtaufgabe so erfolgreich pünktlich abschließen. Über ein Echtzeit-Dashboard können Projektmanager*innen den Fortschritt jeder Aufgabe in jeder Phase nachverfolgen. Umfassende Diagramme bieten eine Übersicht über das Geplante und den aktuellen Fortschritt.

Außerdem bietet die Software einen unbegrenzten Online-Dateispeicher, was es einfacher macht, die Dokumentation in Wasserfallprojekten zu verwalten.

Agile Methoden: Für komplexe, langfristige Projekte

Beim agilen Projektmanagement werden Projekte iterativ und inkrementell (also schrittweise) durchgeführt und geliefert. Agile Teams entwickeln Produkte und Dienstleistungen in kurzen Entwicklungszyklen, die auch als Sprints bezeichnet werden. Vor jedem Sprint organisieren die Teams ein Scrum-Meeting, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Agile Ansätze sind empfehlenswert, wenn es um neue Projekte geht, die Kreativität erfordern. Sie können auf effiziente Weise entwickelt, erweitert und verwaltet werden. Für Teammitglieder, die an mehreren Projekten arbeiten, können agile Methoden allerdings stressig sein, da die Iterationen und das Feedback zu jedem Zeitpunkt erfolgen können.

Hauptmerkmale agiler Projektmanagement-Methoden

Die Lieferung erfolgt inkrementell und iterativ: Agile Projekte werden als Ganzes konzipiert und visualisiert. Das große Projekt wird anschließend in kleinere Aufgaben aufgeteilt, die als Iterationen bezeichnet werden. Jede Iteration ist zwei bis acht Wochen lang und hat ein eindeutiges Ziel. Das Team konzentriert sich darauf, dieses bestimmte Ziel am Ende jeder Iteration zu liefern. Ein Projekt gilt als erfolgreich, wenn alle Iterationen erfolgreich an den Kunden geliefert wurden.

Die Stakeholder analysieren gemeinsam die grundlegenden Anforderungen an das Projekt: Das Team bespricht in einem agilen Projekt die Anforderungen an die Produktentwicklung gemeinschaftlich. Während des gesamten Projektlebenszyklus gehen die Stakeholder teamorientiert vor und tragen gemeinsam zur Produktentwicklung bei.

Kontinuierliches Feedback und Änderungen sind möglich: Agile Teams liefern bei jeder Iteration einen Teil des Produkts. Das Gesamtprodukt wird ständig weiterentwickelt und es werden immer neue Prioritäten gesetzt. Die Stakeholder überprüfen jede Iteration auf ihre Vereinbarkeit mit den geschäftlichen Anforderungen, Funktionen und Bugs. Feedback von Kunden und Stakeholdern wird in der nächsten Iteration miteinbezogen, um das Produkt kontinuierlich zu verbessern. So können Probleme frühzeitig erkannt und behoben werden.

Die Kundenzufriedenheit steht im Mittelpunkt: Bei agilen Entwicklungsprojekten können nach jedem Sprint Beta-Tests der Software erfolgen. Dabei entsteht wertvolles Feedback, auf dessen Grundlage eventuell gewünschte Veränderungen eingearbeitet werden. Die Nutzer*innen bzw. Kund*innen sind stark in den Entwicklungsprozess involviert und die Nutzererwartungen werden effektiv umgesetzt.

Eine umfangreiche Dokumentation ist nicht nötig: Das agile Projektmanagement erfordert eine fortlaufende und umfassende, aber dafür recht kurz gefasste Dokumentation. Agile Teams dokumentieren beispielsweise die Projektarchitektur, User Stories, Schulungsmaterialien für Supportmitarbeiter*innen, Risiken und Ähnliches.

Wer sollte das agile Projektmanagement nutzen?

IT-Projektmanager*innen in kleinen Unternehmen sollten diese Methode für die Verwaltung komplexer Projekte mit nicht festgelegten oder vagen Anforderungen in Betracht ziehen. Auch für Projekte von aktiven Kunden bieten sich agile Methoden an, da die Kunden im agilen Projektablauf während des ganzen Projektlebenszyklus zur Entwicklung beitragen können.

Welche Projektmanagement-Tools sind für agile Methoden geeignet?

Screenshot der Sprints in Jira

Sprints in Jira

Jira ist ein cloudbasiertes Projektmanagement-Tool für agile Teams. Mit Scrum-Boards können Sprints und die iterative Entwicklung geplant werden und alle Teammitglieder haben jederzeit Zugriff auf die Boards. Die Kommunikation und Zusammenarbeit im Team werden so verbessert.

Erweiterungen sorgen für noch mehr Agilität: So gibt es im Jira Scrum Board beispielsweise Karten für User Stories, die für die tägliche Scrum- und Sprintplanung genutzt werden können. Eine andere Erweiterung bietet Vorlagen zum Erstellen benutzerdefinierter Jira-Projekte.

Zahlreiche weitere Funktionen wie Kanban-Boards und agile Berichterstellungsoptionen machen Jira für agile Projekte gut geeignet.

Wasserfall vs agil: Vergleich beider Methoden

Die folgende Aufstellung fasst die wichtigsten Aspekte beider Methoden zusammen:

Ein Vergleich von Wasserfall vs agil

Wasserfall vs agil: Wofür soll ich mich entscheiden?

Auch wenn diese Entscheidung nicht einfach ist, hat dieser Artikel hoffentlich ein paar erste Einblicke in die Vor- und Nachteile beider Methoden gegeben. Jetzt liegt es an dir, diese Faktoren mit deinen Anforderungen abzugleichen.

Die folgenden Überlegungen können dir dabei helfen:

  • Identifiziere Lücken und Problembereiche in aktuellen und vergangenen Projekten: Sobald du Bereiche ermittelt hast, die Verbesserungen erfordern, kannst du überlegen, was du durch Veränderungen deiner Projektmanagement-Methoden erreichen kannst. Wähle anhand deiner Projekt- und Geschäftsanforderungen eine Projektmanagement-Methode, die dazu passt.
  • Hole die Meinung deines Teams ein: Dein Team muss unbedingt hinter dir stehen, wenn du die Projektmanagement-Methode ändern willst. Durch sein Feedback erhältst du Einblick in die individuellen Herausforderungen beim Projektmanagement.
  • Biete deinem Team Unterstützung und Schulungen an: Noch bevor du deine Projektmanagement-Methoden änderst, solltest du dein Team wissen lassen, dass du während des Übergangs zusätzliche Unterstützung bereitstellst. So kannst du möglicher Skepsis begegnen und hilfst deinen Mitarbeiter*innen, trotz veränderter Arbeitsabläufe produktiv zu bleiben.

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