Was ist VPN? Die größten Vorteile für Unternehmen

Veröffentlicht am 21.6.2019 von Gitanjali Maria und Ines Bahr

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Frau steht vor VPN Server

Weltweit werden im Internet etwa 73.944 GB Traffic pro Sekunde verarbeitet, darunter 2.807.677 E-Mails und 75.104 Google-Suchen. Die Kommunikation im eigenen Unternehmen – intern oder mit Kunden und Lieferanten – macht von diesen riesigen Zahlen nur einen winzigen Teil aus.

Umso größer sind jedoch die Folgen, wenn Unternehmensdaten einem Angriff oder Datenleck zum Opfer fallen und übers Internet verbreitet werden: Solche Katastrophen können bekanntlich schnell zu Kosten in Millionenhöhe führen.

Auch im deutschen Mittelstand wurde einer Forsa-Umfrage zufolge jedes dritte Unternehmen bereits Opfer von Cyberangriffen, jedes zehnte Unternehmen sogar mehrfach. Die zunehmende Verbreitung von Praktiken wie dem Mitbringen eigener Geräte (BYOD bzw. Bring Your Own Device) und der Remote-Arbeit lässt Cyberrisiken weiter ansteigen.

Große Unternehmen mit entsprechend hohem Budget haben tendenziell bessere (wenn auch nicht optimale) Voraussetzungen für die Bereitstellung von IT-Sicherheitslösungen. Kleine Unternehmen müssen noch wachsamer sein.

Es gibt eine Vorkehrung, die jedes Unternehmen unabhängig von seinem Budget treffen sollte: die Investition in einen VPN-Service (Virtual Private Network). Was ist ein VPN? Das virtuelle private Netzwerk verschlüsselt die übertragenen Daten und verschleiert die Identität der Nutzer*innen, wodurch ihre Online-Aktivitäten geschützt werden.

In diesem Artikel erläutern wir, welche Vorteile VPNs bringen und wie sie funktionieren. Außerdem behandeln wir die wichtigsten Funktionen von VPN-Lösungen und stellen einige VPN-Softwareanbieter vor.

 

Was ist VPN?

Ein VPN ist ein sicherer Tunnel für das Surfen im Internet. Die Technologie ermöglicht sichere, verschlüsselte Verbindungen zwischen Geräten und Servern über das Internet. Sie maskiert die Identität der Geräte und verschlüsselt die Daten, die PCs oder Mobiltelefone ins Internet übertragen.

Um die Frage „Was ist VPN eigentlich?“ genauer beantworten zu können, wollen wir zunächst ansehen, wie das Surfen im Internet ohne VPN aussieht:

Abbildung zur Internetnutzung ohne VPN

Ohne VPN liegen die über das Internet gesendeten Daten völlig offen (vor allem bei Websites ohne HTTPS-Verschlüsselung) und sind kaum geschützt. Hacker können die Daten bei der Übertragung einsehen, ihrem Pfad folgen und so die IP-Adresse, von der sie stammen, identifizieren und erreichen. Wenn es sich bei den Daten um vertrauliche Informationen handelt, beispielsweise zu einer Ausschreibung oder einer Fusion, kann das ein enormes Risiko darstellen. Außerdem können Hacker Server oder Geräte indirekt kompromittieren, um Cyberangriffe durchzuführen.

Ein VPN sichert die Internetkommunikation, indem ein virtuelles Netzwerk erstellt wird. Die Anfragen erreichen den Zielserver nicht mehr direkt, sondern werden über einen VPN-Server weitergeleitet. Der Zielserver identifiziert den VPN-Server und nicht den tatsächlichen Ursprung des Datenverkehrs.

Abbildung zur Internetnutzung mit VPN

Datenanfragen werden von der VPN-Software verschlüsselt, bevor sie auch nur vom Internetdienstanbieter (ISP) empfangen werden. So können Hacker oder Malware die Informationen nicht auslesen.

Warum VPN?

Von einem VPN profitieren alle Internetnutzer, egal ob Privatanwender, Startups, Kleinunternehmen oder Großkonzerne. Es sichert die Internetkommunikation und minimiert Datendiebstahl.

Für kleine Unternehmen sind beispielsweise folgende Anwendungsfälle sinnvoll:

  • Remote-Arbeitskräfte:Viele Angestellte oder freiberufliche Mitarbeiter*innen arbeiten von unterschiedlichen geografischen Standorten aus. Es kann eine Herausforderung sein, ihre Online-Aktivitäten zu überwachen und ihnen sicheren Zugriff auf das IT-Netzwerk zu gewähren.
  • BYOD-Richtlinien:85 Prozent der Unternehmen bieten ihren Angestellten BYOD-Optionen an. Dadurch werden zwar die Infrastrukturkosten im Unternehmen reduziert, aber die Sicherheitsrisiken steigen. Außerhalb des Büros verbinden Mitarbeiter*innen ihre Geräte möglicherweise mit ungesicherten Netzwerken und setzen die Daten somit Risiken aus.
  • Angestellte reisen an Kundenstandorte:Wenn Angestellte zu Kunden reisen, um Verträge abzuschließen oder Kunden nach dem Kauf zu betreuen oder zu beraten, benötigen sie am Kundenstandort meist Zugriff auf ihr privates Unternehmensnetzwerk. Häufig müssen sie auch unterwegs arbeiten und greifen dafür auf öffentliches WLAN an Flughäfen und in Hotels zu, was Sicherheitsrisiken erhöht.
  • Sichere Kommunikation und Surfen:Auch wenn immer mehr Websites HTTPS einsetzen, nutzen noch immer viele nur HTTP, also die ungesicherte Variante. Angestellte landen schnell einmal auf einer dieser Websites und gefährden so möglicherweise sensible Daten wie Passwörter oder Unternehmensdaten.

Genau hier liegt einer Umfrage von PCMag zufolge auch der Hauptgrund für die VPN-Nutzung:

52 % der VPN-Nutzer*innen in den USA setzen die Technologie zu Sicherheitszwecken ein.

 

VPN bietet viele Vorteile und wenige Nachteile

Die Einrichtung eines VPN schützt die Kommunikation, verbessert den Datenschutz und ermöglicht es, geografische Einschränkungen zu umgehen.

Vorteile von VPN

Tabelle mit Vorteilen von VPN

  • erbesserte Datensicherheit:Ein VPN verbessert die Sicherheit von Websitzungen, indem es die Daten durch einen sicheren Tunnel leitet und verschlüsselt. Einige VPNs können außerdem Malware in aus dem Internet heruntergeladenen Dateien erkennen und entsprechende Warnungen ausgeben.
  • Mehr Privatsphäre im Internet:Privatsphäre und Datenschutz im Internet sind heutzutage ein wachsendes Problem. Ein VPN hilft dabei, über neue IP-Adressen die eigene Identität im Internet zu verbergen. Die Verschlüsselung der übertragenen Daten sorgt zusätzlich dafür, dass die Informationen vor neugierigen Blicken geschützt sind.
  • Umgehen von Geoblocking: Nicht nur auf YouTube sorgt die Meldung „Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar“ regelmäßig für Unzufriedenheit, auch für den Unternehmensbetrieb notwendige Inhalte können von Ländersperren betroffen sein. Ein VPN umgeht das Geoblocking, indem der Anschein erweckt wird, die Zugriffsanfrage stamme von einer IP-Adresse aus einem nicht beschränkten Land.
  • Geringe Kosten:VPNs sorgen für mehr Sicherheit beim Surfen im Internet und kosten dabei meist weniger als 10 Euro im Monat. Ein einzelnes VPN-Abonnement bzw. eine Lizenz unterstützt üblicherweise zwischen 3 und 10 Geräte. Die meisten Anbieter von VPN-Software bieten außerdem Mehrjahreslizenzen zu reduzierten Preisen an.

Wirkliche Nachteile bei der VPN-Nutzung gibt es nicht, doch sie könnten das Surfen im Internet verlangsamen, da zur Verschlüsselung von Datenanfragen und der Übertragung an weitere (VPN-)Server zusätzliche Schritte nötig sind.

Sobald man das VPN abschaltet, surft man wieder mit voller Geschwindigkeit. Während bestimmter Internetaktivitäten empfiehlt es sich jedoch, das VPN zu nutzen, vor allem in öffentlichen WLAN-Netzwerken oder beim Senden vertraulicher Daten.

Wichtige Funktionen von VPN-Software

Bei der Suche nach guter VPN-Software sollten die folgenden Funktionen ausschlaggebend sein:

Funktionen Beschreibung
Kill-Switch-Funktion Wenn die VPN-Verbindung unterbrochen wird, verhindert eine Not-Aus-Funktion sofort, dass Geräte oder ausgewählte Programme weiter Daten über das Internet austauschen.
Peer-to-Peer-Unterstützung Unterstützt Peer-to-Peer-Traffic (P2) durch die Verbindung mit einem P2P-Server. Ein P2P-Netzwerk ist ein selbstorganisiertes Netzwerk, in dem jedes verbundene Gerät gleichzeitig als Client und Server fungiert.
Anonymes Surfen Standort und andere persönliche Daten werden verborgen, indem IP-Adressen geändert und Suchaktivitäten verborgen werden und die Verbindung mit dem Internet über Remote-Server von Drittanbietern erfolgt.
Schutz vor DNS-Leaks Es wird sichergestellt, dass alle DNS-Anfragen durch das VPN und nicht über den DNS-Server des ISP geleitet werden.
Remotezugriff Angestellte können sich von Remote-Standorten aus sicher mit dem privaten Netzwerk des Unternehmens verbinden.
Verschlüsselung Datenanfragen werden verschlüsselt, um sicherzustellen, dass nur der eigene VPN-Client und -Server sie lesen kann. Zu den häufig genutzten Verschlüsselungsprotokollen gehören IPsec (nutzt Kryptographie zum Verschlüsseln und Authentifizieren des Datenverkehrs zwischen Punkten), OpenVPN und die 256-Bit-Verschlüsselung.

Idealerweise sollte ein VPN-Service außerdem Folgendes bieten:

  • Mehrere Serverstandorte:In je mehr Ländern sich die Server eines VPN-Anbieters befinden, desto mehr IP-Adressen stehen zur Verfügung. Dies verbessert die Möglichkeiten zur Umgehung von Ländersperren. Eine höhere Zahl an Servern reduziert außerdem den Internet-Traffic und verbessert die Surfgeschwindigkeit.
  • No-Logs-Richtlinien:Um den Datenschutz zu wahren, ist es wichtig, darauf zu achten, dass ein VPN-Anbieter die Online-Aktivitäten nicht protokolliert. Die Protokollierung ist von landesspezifischen Gesetzen abhängig und kann in manchen Ländern verpflichtend sein. Bei seinem VPN-Anbieter erfährt man mehr Einzelheiten zu diesem Thema.
  • Mobile Apps:Die Verwaltung von Geschäftsprozessen auf Smartphones und Tablets ist mittlerweile völlig alltäglich. Dementsprechend muss ein VPN auch mobile Geräte abdecken und man sollte überprüfen, ob der bevorzugte VPN-Service mobile Apps für iOS, Android und Windows bietet.

Einer Umfrage von PCMag zufolge machen sich kleine Unternehmen am meisten Gedanken über die Geschwindigkeit von VPN-Services sowie den Preis des Tools. Auch die Zahl der Server und die Kompatibilität werden berücksichtigt.

Statistik zur Wichtigkeit der Funktionen von VPN


Die nachfolgend in alphabetischer Reihenfolge aufgeführten drei VPN-Softwareprodukte haben die höchste durchschnittlichen Kundenbewertung auf GetApp (Stand April 2019).

3 Beispiele für VPN-Software

  1. GOOSE VPN

Screenshot von Goose VPN

GOOSE VPN ist für 12,99 € pro Monat verfügbar (ab 2,99 € im 2-Jahres-Paket) und bietet u. a. 256-Bit-Verschlüsselung, eine Kill-Switch-Funktion, Unterstützung von IPSec und No-Logs-Richtlinien. Außerdem ermöglicht sie Nutzer*innen, Bandbreitenbegrenzungen durch ISPs zu vermeiden. GOOSE VPN funktioniert auf allen Geräten und Betriebssystemen einschließlich Windows, Mac, Android und iOS.

Sichere Verbindung mit GOOSE VPN

  1. NordVPN

Screenshot von NordVPN

Der Cloud-Sicherheits-Service NordVPN bietet Funktionen wie 256-Bit-Verschlüsselung, Kill-Switch-Funktion, DNS-Leak-Schutz, No-Logs-Richtlinien und Aktivitätsmanagement und ist für 10,50 € monatlich verfügbar (im 3-Jahres-Paket bereits für 2,62 € im Monat).

Einstellungen in NordVPN

  1. PureVPN

Screenshot von PureVPN

Der P2P-fähige VPN-Service PureVPN bietet für 9,60 € im Monat (ab 2,92 € im 1-Jahres-Paket) sichere Dateiübertragung, 256-Bit-Verschlüsselung, Internet-Kill-Switch und DDoS-Schutz und verhindert die ISP-Begrenzung. Das Tool hilft dabei, IP-Adressen zu maskieren, DNS-Leaks zu verhindern und Adware zu blockieren. PureVPN funktioniert auf unterschiedlichen Gerätetypen einschließlich Smart-TVs, PCs, Mobiltelefonen und Routern.

Verschiedene Verbindungsmodi in PureVPN

 

Nächste Schritte: Das eigene VPN einrichten

Wenn du noch über kein VPN verfügst, solltest du nicht warten, bis eine Datensicherheitsverletzung auftritt, sondern dich sofort bei einem VPN-Service anmelden. Eine Übersicht der verschiedenen Anbieter findest du in unserem Verzeichnis von VPN-Softwarelösungen.

Sobald das VPN eingerichtet ist, solltest du alle Angestellten anhalten, sämtliche geschäftliche Arbeit über das Internet nur noch über das VPN durchzuführen. Wenn die Mitarbeiter*innen das VPN die meiste Zeit ausgeschaltet lassen, kann es schließlich seinen Zweck nicht erfüllen und ihre Online-Aktivitäten bleiben ungeschützt.

Hast du bereits VPN-Software und denkst über ein Upgrade nach? In diesem Fall lohnt sich ein Blick auf VPN-Tools, die ein schnelleres Surfen ermöglichen und moderne Verschlüsselungsmethoden wie SSL und L2TP unterstützen.

 

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