Telemedizin in Deutschland: 3 kostenlose Tools für deine Online-Sprechstunde

Veröffentlicht am 25.6.2020 von Ines Bahr

Die Pandemie hat eine Gesundheitskrise ausgelöst, wie wir sie in den vergangenen Jahrzehnten nicht gesehen haben. Die Krise hat jedoch auch zur steigenden Akzeptanz einer Praktik geführt, die in den vergangenen Jahren an Sichtbarkeit zugenommen hat: Der Telemedizin in Deutschland. 

Telemedizin in Deutschland- Telemedizin Definition und 3 kostenlose Tools für deine Online-Sprechstunde

Insbesondere in Zeiten von überfüllten Gesundheitszentren kann Telemedizin sowohl für Ärzte als auch Patienten ein großer Verbündeter sein. Mit der landesweiten Liberalisierung von Telekonsultationen konnten verschiedene Praxen, Kliniken und Krankenhäuser, eine steigende Nachfrage nach Online-Sprechstunden-Software verzeichnen. 

In diesem Artikel stellen wir drei zertifizierte Videodienstanbieter für deine Online-Sprechstunde vor. Die Zertifizierung ist erforderlich, damit die Videosprechstunden abgerechnet werden können. Erst einmal wollen wir uns jedoch der Telemedizin-Definition widmen und erklären welche Vorteile sie bringt. 

Telemedizin Definition: Was ist Telemedizin? 

Fangen wir erst einmal mit einer Telemedizin Definition an. Laut der Bundesärztekammer ist “Telemedizin ein Sammelbegriff für verschiedenartige ärztliche Versorgungskonzepte, die als Gemeinsamkeit den prinzipiellen Ansatz aufweisen, dass medizinische Leistungen der Gesundheitsversorgung (…) über räumliche Entfernungen (oder zeitlichen Versatz) hinweg erbracht werden. Hierbei werden Informations- und Kommunikationstechnologien eingesetzt.”

Telemedizin ist ein innovativer Bereich der Telematik und wird im Gesundheitswesen angewendet, um die Diagnose und Therapie von Erkrankungen mit den modernen digitalen Kommunikationsmedien durchzuführen. Es ist möglich, auf diese Weise räumliche Distanzen zu überbrücken und die Behandlung außerdem zeitlich zu entkoppeln. Patienten können mit ihrem Arzt, Therapeuten oder einem Apotheker kommunizieren. Außerdem nutzen Ärzte die Videodienste für den kollegialen Austausch untereinander.

Die Vorteile für Patienten sind überzeugend: Durch eine Behandlung zuhause kann der Aufenthalt im Krankenhaus verkürzt werden und es sinkt die Hemmschwelle, ärztlichen Rat einzuholen. Insbesondere Patienten, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, profitieren von dieser Möglichkeit und auch die Arztpraxen werden entlastet. Ebenfalls ermöglicht die Telekonsultation den Zugang zu Kliniken und Krankenhäusern, die kilometerweit vom Haus des Patienten entfernt sind und das zu geringeren Kosten. Dies ist insbesondere für diejenigen ein großer Vorteil, die weit entfernt von den großen städtischen Zentren leben, wo sich die Mehrheit der Spezialisten befindet. 

Die Ausbreitung des Coronavirus und die damit verbundene Unsicherheit auf Seiten der Patienten und Ärzte im Hinblick auf einen Praxisbesuch hat dazu geführt, dass immer mehr Ärzte die Einrichtung einer Videosprechstunde erwägen.

Die Vorteile von Telemedizin für Ärzte

  • Möglichkeit mehr Termine zu realisieren: Durch das Vermeiden von überfüllten Wartezimmern, Verspätungen und Terminverschiebungen können Ärzte mehr Termine vereinbaren und Patienten sparen Zeit.
  • Reduzierung der Anzahl stornierter Termine: Medizinische Software erleichtert die Vereinbarung und Überwachung von Terminen, wodurch sich die Anzahl stornierter Besuche oder Patienten, die einfach nicht erscheinen, verringert.
  • Informationsaustausch: Ärzte, die dieselbe Softwarelösung nutzen, können bei Unsicherheiten Informationen einfacher und schneller mit erfahreneren Fachleuten oder solchen, die bereits ähnliche Fälle behandelt haben, austauschen.
  • Sicherheit und Schnelligkeit: Ärzte können alle Patienteninformationen sicher an einem Ort aufbewahren.

Telemedizin in Deutschland: Gesetzliche Anforderungen an die Videosprechstunde

​​​​​​Es stellt sich die Frage, welche Anforderungen die Videodienstanbieter erfüllen müssen, damit die Kommunikation via Monitor technisch sicher und reibungslos verläuft. 

Die Nutzung von Videokonferenzdiensten wie Skype oder Zoom ist im medizinischen Bereich gesetzlich verboten, denn die Übertragung darf ausschließlich durch eine Peer-to-Peer-Verbindung erfolgen, ohne dass ein zentraler Server genutzt wird. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass Dritte die Daten weder mitlesen noch speichern. 

In Deutschland dürfen nur zertifizierte Videodienste zum Einsatz kommen. Die Praxis erhält vom gewählten Anbieter nach Vertragsschluss eine Bescheinigung über die Zertifizierung und kann danach eingesetzt werden. 

3 zertifizierte & kostenlose Tools für die Videosprechstunde

1. RED 

Schon die Basisversion dieser Software ermöglicht dauerhaft kostenlos eine technisch in jeder Hinsicht sichere Durchführung von Videosprechstunden. Die Erweiterung RED telematik ist kostenpflichtig und bietet den Anwendern weitere Optionen, die über die Durchführung der Videotelefonie hinausgehen. Der Arzt erhält einen Anschluss an die Telematik-Infrastruktur, ein in Zusammenarbeit mit den Ärzten entwickeltes TI-System, dessen Konnektor in einem sicheren Rechenzentrum untergebracht ist. Damit wird garantiert, dass die Daten sowie die IT der Arztpraxis optimal geschützt werden. Mit der RED box steht eine Firewall zur Verfügung, die das praxiseigene Netzwerk vor Angriffen schützt. Ein Konnektor in der Praxis ist nicht erforderlich, sodass der Investitionsaufwand sinkt. Administratoren kümmern sich zuverlässig um die Wartung, Sicherungsmaßnahmen und Updates, um den laufenden Betrieb zu gewährleisten. Später durchgeführte Upgrades oder ein Austausch von Konnektoren sind bereits im Einrichtungspreis enthalten. RED telematik überzeugt durch die Kompatibilität mit jeder Praxissoftware und bietet einen großen Funktionsumfang wie beispielsweise Kartenterminals zum Einlesen der Versichertenkarten.

2. CLICKDOC

Dabei handelt es sich um eine Videosprechstundenlösung, die mit CGM ELVI gemeinsam entwickelt wurde und die sowohl Ärzten als auch Psychotherapeuten kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Der Videodienst erfüllt ebenso hohe Anforderungen an die Datensicherheit und den Datenschutz in Arztpraxen. Ein weiterer Vorteil besteht in der sofortigen Einsetzbarkeit des vom TÜV Saarland geprüften und zugelassenen Tools. CLICKDOC wurde auf Basis von CGM ELVI entwickelt und somit ist eine perfekte Kompatibilität gewährleistet. Die direkte Kommunikation zwischen Nutzern der beiden Lösungen ist problemlos möglich. CGM ELVI war die erste Softwareanwendung für Videosprechstunden, die eine TÜV Zertifizierung erreicht hat. Es werden alle datenschutzrechtlichen und technischen Anforderungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) sowie des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erfüllt. Die Durchführung einer Videosprechstunde ist mit dem stationären PC, aber auch mit dem Tablet, Smartphone oder Laptop möglich. Es werden lediglich ein aktueller Browser, eine stabile Internetverbindung sowie eine Kamera und ein Mikrofon benötigt. Arzt und Patient können somit flexibel kommunizieren.

3. sprechstunde.online

Bei sprechstunde.online handelt es sich um einen Videodienst, der für Ärzte, Pflegefachkräfte und Therapeuten konzipiert und von der KBV zertifiziert wurde. Die Deutsche Arzt AG stellt mit diesem Videodienst eine Anwendung zur Verfügung, um Videosprechstunden durchzuführen und dabei Zwischenuntersuchungen, Verlaufskontrollen sowie Rückfragen zu ermöglichen, ohne dass der Patient die Praxis aufsuchen muss. Umfragen haben ergeben, dass dadurch eine Zeitersparnis von 30 Prozent realisiert werden kann, denn es fallen nicht nur Vor-Ort-Termine in der Praxis, sondern zusätzlich Hausbesuche oder Besuche in Pflegeheimen weg. Darüber hinaus wird eine stärkere Patientenbindung besonders bei den Privatversicherten erreicht. Die Möglichkeit der Online-Terminvereinbarung eröffnet die Chance, im ganzen Land neue Patienten zu akquirieren. Ein komfortabler Buchungsservice bietet den Patienten die Option, Termine zu vereinbaren und einen Überblick über die Beratungsleistungen zu erhalten. Neben der Videokonferenz stehen eine Chatfunktion sowie ein Ärzteprofil und ein Download-Bereich zur Verfügung. Der Basis-Tarif kostet 9,90 Euro pro Monat.

Weitere hilfreiche Tools für Arztpraxen

Wie bereits erwähnt, bezieht sich Telemedizin auf die virtuelle Behandlung. Es gibt jedoch auch weitere Softwareanwendungen, die Arztpraxen in spezifischen Bereichen, wie beispielsweise der Terminplanung oder Abrechnung unterstützen. In dieser Liste kannst du einige nützliche Programme finden.

  • Terminplanungssoftware: Ermöglicht das Planen und Überwachen von Terminen im Kalender.
  • Elektronische Patientenakte: Umfasst alle Patienteninformationen (verwendete Medikamente, Diagnostik, Krankengeschichte, Allergien, radiologische Bilder, Testergebnisse usw.) und erleichtert den Zugriff auf Daten.
  • Medizinische Abrechnungssoftware: Automatisierung und Zentralisierung von Forderungen, Zahlungsabwicklung usw.
  • Verwaltungssoftware: Optimieren den Arbeitsablauf in Praxen, damit Ärzte und Mitarbeiter mehr Zeit mit Patienten und weniger Zeit mit Verwaltungsaufgaben verbringen. Die Tools umfassen häufig zur Inventarverwaltung und für die Logistik.
  • Medizinische Laborsoftware: Konzentriert sich auf medizinische Forschungslabors und hilft bei der Koordinierung von Daten aus Proben, Tests und Ergebnissen.

Blick in die Zukunft der Telemedizin in Deutschland

Die Digitalisierung schreitet auch im medizinischen Bereich immer weiter voran und durch die Corona-Krise wird diese Entwicklung zusätzlich beschleunigt. Digitale Kompetenz ist für eine dauerhafte Patientenbindung unverzichtbar und für jüngere Patienten ein entscheidendes Kriterium bei der Arztwahl.

Zeit- und Kostenvorteile sprechen aus betriebswirtschaftlicher Sicht für die vermehrte Nutzung der Telemedizin in Deutschland. Doch auch in medizinischer Hinsicht ist die Videosprechstunde vorteilhaft. Therapien können schneller eingeleitet werden und es wird eine engmaschigere Betreuung von Patienten möglich. Die Gefahr, dass Zwischenuntersuchungen vergessen oder Verlaufskontrollen ignoriert werden, sinkt erheblich. Außerdem ist damit zu rechnen, dass die Funktionen von Seiten der Videodienstanbieter ausgeweitet werden.

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