Die Zukunft der Banken – 5 Technologietrends für 2019

Veröffentlicht am 10.1.2019 von Dr. Hansjörg Leichsenring

Zukunft der Banken

In den vergangenen Jahren gab es eine Vielzahl von Themen und Einflüssen auf die Finanzbranche, u.a.:

  • Die noch immer spürbaren Auswirkungen der Finanzkrise.
  • Die anhaltende Niedrigzinsphase.
  • Die Vielzahl neuer Regulierungen wie z.B. Basel III, MiFID II, PSD2 oder DSGVO.
  • Der Zustrom traditioneller und nicht traditioneller Wettbewerber wie Neobanken, FinTechs und BigTechs und der damit einhergehende Preis- und Margendruck,

Vor allem jedoch haben neue Technologien und die damit verbundene Digitalisierung Einzug in den Finanzsektor gehalten und werden diesen nachhaltig verändern. Die Kunden sind aus anderen Branchen eine schnelle Integration in den Alltag gewohnt und erwarten dies auch von ihren Banken und Sparkassen.

Zahlreiche digitale Innovationen haben bereits zu einer Veränderung der Bank-Kunde-Schnittstelle und vielfach auch zu neuen Geschäftsmodellen geführt. Vor allem mobile Endgeräte haben die Kontakt-, Kommunikations- und Vertriebskanäle zwischen Kunden und Unternehmen deutlich verändert. Das Smartphone ist seit der Einführung des iPhones 2007 für viele Menschen zur universellen Kommunikations- und Steuerungszentrale geworden.

Die Zukunft der Banken liegt in diesen Technologietrends für 2019

Für das Jahr 2019 haben vor allem die folgenden Entwicklungen eine hohe Relevanz für die Finanzbranche:

  1. Voice Banking
  2. Biometrie
  3. Robotic Process Automation
  4. Data Analytics
  5. Open Banking

Voice Banking zur besseren Kommunikation zwischen Kunde und Bank

Mit Einführung digitaler Sprachsteuerung ist ein großer technologischer Sprung auf den Weg gebracht. Smarte Sprachassistenten wie Siri, Alexa oder Google Assistant sind auf dem Vormarsch. Einer Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY zufolge, hat mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung bereits Sprachassistenten genutzt.

Auch im Banking halten sie nach und nach Einzug, wenngleich viele Verbraucher derzeit noch skeptisch sind, ob die notwendige Sicherheit und Vertraulichkeit gewährleistet ist. Dennoch haben einer Studie von Capgemini zufolge 16 Prozent bereits einen Sprachassistenten für Zahlungen oder Geldüberweisungen verwendet und 46 Prozent zeigen Interesse an der Verwendung für Bankgeschäfte.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz wird dem Thema Voice Banking einen weiteren Anschub geben. Bis es allerdings so weit seien wird, dass Kunden, statt mit Menschen, mit Maschinen über Finanzgeschäfte reden, wird es noch eine ganze Weile dauern.

Biometrie zur Erkennung und Authentisieren von Kunden

Kinofans kennen aus Filmen wir James Bond oder Mission Impossible die Vorzüge biometrischer Verfahren zur Authentisierung, aber auch der vermeintlich vielfältigen Möglichkeiten, sie zu überwinden. Und obwohl Verbraucher aktuell vor allem Passwörter und PIN-Codes zum Sichern Ihrer digitalen Aktivitäten und Geräte nutzen, glauben 63 Prozent der Befragten einer Studie, dass eine biometrische Authentifizierung sicherer wäre.

Auch hier übernehmen Smartphones die Rolle des Heranführens. Nach Fingerabdrucksensoren ist Gesichtserkennung inzwischen zum State-of-the-Art geworden.

Im Bankbereich gibt es bereits zahlreiche Anwendungen zur Nutzung biometrischer Verfahren.

  • In England bietet eine Supermarktkette ein Bezahlverfahren per Venen-Scan.
  • In Spanien ermöglichen Hotels das Bezahlen per Fingerabdruck.
  • Eine britische Großbank nutzt 500 Verhaltenseigenschaften, wie Hand-Augen-Koordination, Tastendruck, Handzittern, Navigation, Scrollen und anderen Fingerbewegungen, um Online-Banking-Nutzer zu erkennen.
  • Eine andere britische Großbank nutzt Stimmerkennung, um Anrufer im Call Center zu identifizieren.
  • Bei einer chinesischen Bank können Kunden per Gesichtsscan Geld am Automaten abheben.

Für bargeldlose Zahlungen schreibt die Regulierung zukünftig eine Zweifaktor-Authentifizierung vor. Biometrische Lösungen sind hierfür besonders geeignet. Sie sind zum einen sicher und bieten zum anderen eine deutliche bessere Kundenerfahrung als Passwörter oder PINs.

Robotic Process Automation zur Effizienzsteigerung

Nicht nur der Kundenbereich von Banken wird sich durch den Einsatz neuer Technologien verändern, auch das Back Office ist betroffen. Hier bietet der Einsatz von Software-Robotern vielfältige Möglichkeiten der Prozessoptimierung. Hinter Robotic Process Automation (RPA) verbirgt sich eine Automatisierungssoftware, die menschliche Handlungen imitiert, um einen Prozess durchzuführen. Sie übernimmt Tastatureingaben und Mausklicks und kann damit Medienbrüche zwischen IT-Anwendungen überbrücken.

Ziele von RPA sind die Senkung von Arbeits- und Betriebskosten und/oder einer Steigerung der Effizienz und/oder Qualität. Nahezu jeder Prozess einer Bank kann so optimiert werden. Anwendungsgebiete finden sich z.B. im Kundenservice, im Bereich Compliance, in der Kreditkartenverarbeitung, der Betrugserkennung oder im Onboarding.

Schätzungen zufolge beträgt das jährliche Wachstum des Bereiches RPA über 50 Prozent. In zehn Jahren soll die Hälfte des Backoffice im Finanzbereich automatisiert sein.

Data Analytics für personalisiertes Banking

Seit jeder versuchen Banken, mit Informationen über ihre Kunden Geld zu verdienen. Daten gelten als das neue Gold des digitalen Zeitalters. Und davon gibt es viele und sie werden immer mehr. Traditionell verfügen Finanzinstitute als Abwickler des Zahlungsverkehrs ihrer Kunden über den besten Zugriff auf eine Vielzahl von Daten. Stimmen die Kunden zu, lassen sich diese zum gemeinsamen Vorteil nutzen und verarbeiten. Ein Ergebnis sind personalisierte Angebote, im Idealfall dort, wo der Kunde sie braucht und dann, wenn er sie braucht.

Und auch hierbei spielt das Smartphone eine wichtige Rolle bei der Verbindung von Kunde und Bank.

Am Horizont taucht das Internet der Dinge auf. Prognosen gehen von 125 Milliarden vernetzter Geräte bis 2030 aus. Das bedeutet umgerechnet, über 14 Smart Devices pro Person im weltweiten Durchschnitt. Dazu gehören Fitness-Tracker, Digitale Assistenten, Smartwatches, Smartphones, aber auch Autoschlüssel, intelligente Kleidung, intelligenter Schmuck und vieles mehr.

Die daraus resultierende Datenflut intelligent zu nutzen, stellt eine der größten Herausforderungen für Unternehmen im Allgemeinen und für Finanzinstitute im Besonderen dar.

Open Banking verändert die Beziehung zwischen Banken und Kunden

Nachdem Banken und Sparkassen durch die Einführung der PSD2 auch Drittanbietern Zugriff auf Kundendaten gewähren müssen (sofern die Kunden zustimmen) wird der Ruf nach einer generellen Öffnung der Banken immer lauter. Beim Open Banking (auch API Banking genannt) sollen digitale Ökosysteme die bisherigen Bank-Kunde-Beziehungen ersetzen, in denen Banken nicht nur die eigenen Leistungen anbieten sondern auch als Vermittler von Dritten tätig werden. Als Muster gelten Unternehmen, wie Uber, Airbnb, Amazon und andere, die z.T. ohne eigene Produkte, lediglich durch Vermittlung arbeiten.

Plattformökonomie (übrigens das Finanzwort des Jahres 2018) soll

  • die traditionelle Bank-Kunde-Beziehung verändern,
  • neue Geschäftsmodelle für Finanzdienstleister ermöglichen und
  • zu einer nachhaltigen Veränderung der Finanzbranche führen.

Befürworter erhoffen sich damit mehr Innovation, Preisdruck, Transparenz und Auswahl für die Kunden.

Fest steht, dass es in Zukunft zahlreiche Plattformen geben wird. Gewinnen wird in der Plattformökonomie derjenige, der viele Kunden-Kontaktpunkte auf seiner Plattform anbietet und den meisten Traffic gewinnen kann. Offen ist noch die Frage, wie Kunden darauf reagieren und ob sie derartige Plattformen annehmen werden.

Einer der Vorreiter auf diesem Gebiet ist die Deutsche Bank, die bereits seit einiger Zeit dabei ist, verschiedene Plattformen für unterschiedliche Kundensegmente aufzubauen.

Und was ist mit …

Natürlich gibt es noch weitere Technologien, die relevant für die Finanzbranche sind. Dazu gehören Blockchain, Augmented und Virtual Reality, Robotik, Cloud oder auch 3D-Druck. Sie alle haben mehr oder weniger Potential, auch für den Bankbereich Bedeutung zu erlangen. Doch ihnen allen ist gemeinsam, dass die Anwendung in Form von wirtschaftlich attraktiven Geschäftsmodellen in der Breite derzeit nicht absehbar ist. Das kann sich mittelfristig ändern, im Jahr 2019 dürfte sich jedoch kaum ein Durchbruch ergeben.


Dr. Hansjoerg Leichsenring

Dr. Hansjörg Leichsenring befasst sich seit über 30 Jahren beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern. Als Herausgeber des Bank Blogs berichtet er regelmäßig über aktuelle und grundsätzliche Entwicklungen der Finanzbranche und ist außerdem gefragter Redner und Moderator bei internen und externen Veranstaltungen im In- und Ausland.


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