Was ist ein Chatbot? Alle Antworten und wie sie auch kleinen Unternehmen nutzen

Veröffentlicht am 9.4.2019 von Ines Bahr und Lauren Maffeo

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Hand mit Smartphone

Wir alle unterhalten uns mehrmals täglich mit Robotern. Wer Alexa von Amazon nutzt oder auf dem iPhone mit Siri redet, nutzt Chatbots – Computerprogramme, die so antworten, als würde man mit einem Menschen sprechen. Auch wenn Siri und Alexa die bekanntesten Chatbots sind, weisen Studien darauf hin, dass kleine Unternehmen sie schon bald überholen könnten.

2016 wurden insgesamt 188 Millionen USD in 90 Startups investiert, die text- und sprachgesteuerte Bots entwickeln. Auch Gartner prognostiziert, dass kleine Unternehmen bald Bots entwickeln werden, die individuelle Kundenanforderungen besser erfüllen können als die Bots großer Marken.

So bietet ein Chatbot Startups also eine ganze Menge Möglichkeiten. Untersuchungen von GetApp zufolge bevorzugt eine*r von drei Käufer*innen den Kontakt mit Verkaufspersonal direkt im Geschäft. Auch wenn neue Technologien viele in Staunen versetzen, genießen sie also noch nicht genug Vertrauen, um Menschen zu ersetzen.

Analysen für Online-Bots?

Für kleine Unternehmen, die Chatbots entwickeln wollen, stellt sich die große Frage: Wie erkennt man, ob Online-Bots funktionieren oder nicht?

Um eine Antwort zu finden, haben wir uns mit Arte Merritt, CEO und Mitgründer von Dashbot.io, unterhalten*. Dashbot ist eine Art Google Analytics für Chatbots. Digitale Marketingprofis nutzen Google Analytics, um verschiedene Messwerte zu ermitteln, zum Beispiel die Besuchszahlen für Webseiten, die Zahl der im Anschluss durchschnittlich aufgerufenen Seiten oder die durchschnittliche Konversionsrate einer Webseite.

Genauso können kleine Unternehmen mit Tools wie Dashbot Leistungskennzahlen bzw. Key Performance Indicators (KPIs) für Chatbots festlegen und anschließend verfolgen, wie gut sich diese Online-Bots bewähren und wie die Kunden mit ihnen interagieren.

Neben der Frage „Was ist ein Chatbot überhaupt?“ soll es in diesem Artikel darum gehen,

  • warum traditionelle Analysetools die Chatbot-Performance nicht messen können,
  • welche kleinen Unternehmen heute Chatbots verwenden,
  • wie ein Chatbot Startups nutzt
  • und wie man entscheidet, ob man Online-Bots intern entwickeln oder die Entwicklungsarbeit auslagern sollte.

Was ist ein Chatbot und wie werden Bots heutzutage in kleinen Unternehmen verwendet?

Wenn wir von Bots sprechen, meinen wir damit Schnittstellen für Gespräche. Bots sind Anwendungen, mit denen Nutzer*innen Konversationen führen können. Bots können textbasiert sein, wie im Fall von Facebook Messenger oder Slack, oder wie Amazon Alexa oder Google Home auf gesprochener Sprache basieren.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind äußerst vielfältig. Viele denken, Chatbots würden nur für den Kundenservice genutzt. Tatsächlich sind diese Online-Bots eher in der Minderheit und es gibt ein sehr viel breiteres Nutzungsspektrum. Man denke nur an all die Arten von Apps, die es gibt, beispielsweise für Nachrichten, Sport, Reisen und Einzelhandel. In all diesen Bereichen können auch Chatbots eingesetzt werden.

Nehmen wir persönliche Bots als Beispiel. Manche Prominente, wie Redfoo von LMFAO, haben Chatbots, mit denen ihre Fans interagieren können. Gelegentlich pausieren sie den Bot und kommunizieren direkt mit den Fans. Auch Bots von virtuellen Charakteren können sehr unterhaltsam sein.

Wie funktionieren Bot-Analysen? Was ist der Unterschied zwischen Tools wie Google Analytics und Dashbot?

Traditionelle Analysetools funktionieren aus folgenden Gründen nicht gut für Bots:

Die Tracking-Mechanismen sind unterschiedlich

Clickstream- oder ereignisbasiertes Tracking kann der Komplexität von Konversationen nicht gerecht werden.

Die erfassten Daten unterscheiden sich

Bots empfangen unstrukturierte Daten: Die Nutzer*innen senden Texte, Bilder, Audio- und Videodateien und mehr. Noch wichtiger: Sie senden ihre eigene Stimme, um auszudrücken, was sie vom Bot wollen und was sie danach über ihn denken. Wenn Menschen mit Online-Inhalten interagieren, indem sie auf Links und Schaltflächen klicken, ist das etwas völlig anderes.

Die Verarbeitung ist anders

Bots können asynchron funktionieren und Sitzungen können mehrere Nutzer*innen umfassen – ein großer Unterschied zu einzelnen Personen, die sich im Internet oder auf ihren Smartphones bewegen.

Es gibt neue Arten von Metriken

Neben herkömmlichen Messwerten wie Verweildauer und Engagement gibt es auch speziell auf Online-Bots zugeschnittene Metriken, beispielsweise zu Stimmungsanalyse, Effektivität der KI-Antworten und Nachrichten-Funnel.

 

Eine leistungsstarke Chatbot-Analyse bietet alle traditionellen Analysen und die oben genannten botspezifischen Metriken sowie die vollständigen Transkripte. Dashbot umfasst außerdem Funktionen, mit denen man auf die ermittelten Daten reagieren kann. So ist es beispielsweise möglich, dass eine reale Person die Sitzung übernimmt und anstelle des Bots antwortet oder Push-Benachrichtigungen versendet werden, damit jemand die Interaktion wiederaufnimmt.

Können Sie einen Fall beschreiben, in dem Dashbot von einem kleinen Unternehmen eingesetzt wird? Welche quantitativen Auswirkungen hat es auf das Geschäft?

Zu unseren Kunden gehört Machaao, ein Top-Facebook-Bot für Cricket-Fans, die damit ihren Lieblingsmannschaften und -spielern folgen und Updates zu Spielständen erhalten. Zwei der Gründer untersuchen jeden Tag 30 Minuten lang die Dashbot-Analysen, um zu ermitteln, wie typische Interaktionen mit ihrem Bot ablaufen und wie sich Engagement und die Nutzerbindung steigern lassen. Diese Informationen entnehmen sie Berichten zu den häufigsten Nachrichten, Nachrichten-Funnels und vollständigen Transkripten der Konversationen. So können ihre Entwickler nachvollziehen, welche Nachrichten von Nutzer*innen gesendet und wie sie von den Chatbots beantwortet werden. Besonders nützlich: Auf der Grundlage dieser Berichte lässt sich die Effektivität der Bot-Antworten verbessern. So konnte Machaao drei neue Features entwickeln:

 

Live-Spielstände

Viele Nutzer*innen wünschten sich Live-Spielstände. Zuvor mussten sie einen Teamnamen eingeben und die entsprechenden Benachrichtigungen abonnieren. Jetzt können sie einfach auf einen Antwort-Button klicken, um jederzeit die Live-Spielstände mitgeteilt zu bekommen.

Spielern folgen

Machaao hatte überlegt, ein Feature zu entwickeln, mit dem man bestimmten Spielern folgen kann. Allerdings waren sie sich nicht sicher, wie hoch die Nutzernachfrage wirklich war. Um das herauszufinden, analysierten sie die Nachrichten in ihren Berichten und sahen, dass viele Nutzer*innen den Bot nach Spielerdetails fragten. Mit diesem Wissen konnten sie die Funktion auf ihrer Prioritätenliste nach oben setzen.

Stummschalten/Pausieren

Wenn ein Spiel einseitig verlief und jemandes Team am Verlieren war, hatte das in der Vergangenheit oft zur Folge, dass die Person unzufrieden wurde und das Abonnement beendete, um keine Spielstand-Updates mehr sehen zu müssen. Das führte zu einem Teufelskreis, in dem Machaao Geld dafür ausgeben musste, Nutzer*innen über Werbeanzeigen zurückzugewinnen. Mit der Stummschalten-Funktion können Benachrichtigungen nun pausiert werden, ohne das Abonnement zu beenden. Auf diese Weise stärkt Machaao gleichzeitig die Nutzerbindung und spart Geld.

Welche Rolle werden Bots in kleinen Unternehmen in vier Jahren spielen? Denken Sie, dass sie Angestellte ersetzen werden (was kleinen Unternehmen Geld sparen, sich aber negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken könnte)?

Wir sind absolut von Gesprächsschnittstellen überzeugt. Unserer Ansicht nach stellen sie die natürliche Weiterentwicklung der Mensch-Computer-Interaktion dar.

Sprachgesteuerte Schnittstellen werden immer beliebter. Das sehen wir an den Anmeldungen auf unserer Plattform und den Anfragen von Marken, die etwas für Amazon Alexa und Google Home entwickeln wollen. Die Nachfrage ist groß. Bots können Menschen auch die Freiheit geben, sich neuen Ideen und Aktivitäten zu widmen und so zu neuen Jobs und Fertigkeiten führen.

Welche Fähigkeiten sollten sich Inhaber*innen kleiner Unternehmen aneignen (bzw. bei ihren Angestellten suchen), um Bots möglichst effektiv zu nutzen?

Vor der Entwicklung eines Bots sollte man das „Warum?“ durchdenken und sich die Frage stellen: „Wie sehen mein Anwendungsfall und die Strategie aus?“ Kleine Unternehmen müssen ihr Zielpublikum, die Anwendungsfälle und das Produkt festlegen und anschließend all diese Faktoren im Blick behalten, wenn es um Nutzerakquise, Engagement und Monetarisierung geht. Der Prozess ist also derselbe wie beim Entwerfen einer neuen Geschäfts- oder Produktidee.

Je nach Ressourcen gibt es mehrere Möglichkeiten, Bots zu entwickeln. Es gibt Bot-Frameworks für eine schnellere Entwicklung, Bot-Plattformen zum Entwickeln von Bots und Bot-Entwicklungsunternehmen und -agenturen. Natürlich kann man auch selbst einen Bot von Grund auf neu entwickeln.

Jede dieser Optionen erfordert unterschiedlich viel technisches Know-how. Wer keine Entwickler*innen im Team hat, sollte lieber outsourcen. Wenn man allerdings über die nötigen Ressourcen zum Entwickeln eines eigenen Bots verfügt, kann eine interne Entwicklung Zeit und Geld sparen.

Sobald der Bot entwickelt wurde, hängt der nächste Schritt vom Anwendungsfall ab. Dabei können Marketing, Nutzerakquise, Engagement, Nutzerbindung und Monetarisierung – genau wie eine Kombination dieser Faktoren – eine Rolle spielen.

Sobald festgelegt wurde, anhand welcher Metriken der Erfolg des Bots ermittelt werden soll, muss nachverfolgt werden, wie Nutzer*innen mit ihm interagieren. Die gleiche Vorgehensweise nutzen digitale Marketingprofis, um mit Analysen die Interaktion der Nutzer*innen mit ihrem Content zu untersuchen. Sobald man weiß, wie die Menschen mit dem Bot interagieren, kann man mithilfe dieser Einblicke das Nutzererlebnis verbessern.

 

* Das Interview wurde gekürzt, zum Zwecke der Klarheit leicht überarbeitet und aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt.

 

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